Wissen & Hilfestellungen

Was bedeutet die EU Direktive zu Einweg-Plastik Produkten für Gastgeber, Hoteliers, Gastronomen und Veranstalter? 

Im Dezember 2015 stellte die EU Kommission den “EU Action Plan for a Circular Economy” vor. Er identifizierte Plastik als eines der Haupt-Handlungsfelder. Entsprechend folgte im Januar 2018 die “Plastics in a Circular Economy Strategy” mit dem ehrgeizigen Ziel, sämtlichen Plastikmüll bis 2030 recycelbar zu machen. Im Mai 2018 wurde die EU Direktive “on the reduction of the impact of certain plastic products on the environment” vorgestellt. Ende 2018 stimmte das EU Parlament dem Vorschlag zu. Nach der formellen Adaption und der Aufnahme ins EU Official Journey haben die Mitgliedstaaten zwei Jahre Zeit die Regelungen aus der Direktive in ihre Gesetzgebung zu integrieren. 

Die Regelungen in Kürze:

  • Folgende Plastikprodukte werden verboten: Trinkhalme, Rührstäbchen, Wattestäbchen, Einweggeschirr und -teller, Luftballon-Stäbchen
  • Der Konsum von diesen Produkten soll, insbesondere durch Konsumenten-Aufklärung, stark reduziert werden: Einweg-Essensbehälter und -Trinkbecher
  • Für diese Produkte sollen die Hersteller stärker in die Pflicht genommen werden: Luftballons, Flüssigkeitsbehälter, Verpackungsmaterialien, Zigarettenstummel, Feuchttücher, Plastiktüten

Was bedeuten die Ambitionen der EU für Gastgeber, Hotels, Restaurants, Bars, Events, Festivals?
Plastikmüll wurde als Problem erkannt. Die bisher initiierten Vorhaben markieren vermutlich lediglich den Anfang. Es ist davon auszugehen, dass weitere Gesetzgebung folgen wird. Jedes Plastik Bequemlichkeits-Produkt, das noch nicht Teil der Direktive ist, kann in Zukunft Ziel von Verboten, Reduzierungen oder Aufklärungskampagnen werden. Aus dem Bereich des Gastgewerbes wären beispielsweise diese Produkte naheliegend:

  • Hotelslipper, Hotellatschen
  • Hotelzimmer Amenity Sets (Schuhcreme, Nähset, …) 
  • Amenity Sets im Badezimmer (einzeln verpackte Duschhaube, Nagelpfeile, Baumwoll-Pads, Zahncreme) 
  • kleine Shampoo, Duschgel, Conditioner und Bodylotion Flaschen
  • Miniverpackungen von Zucker, Salz, Pfeffer, Schokolade, Marmelade, Butter, weiteren Brotaufstrichen
  • Shotgläser, Confetti, Leuchtstäbchen, Deko-Artikel 

Wir können davon ausgehen, dass Unternehmen in Zukunft global Verantwortung für ihre Lieferketten übernehmen müssen, um Risiken wie Bestrafungen oder Mahnungen zu vermeiden. Das bedeutet, dass weder Unwissenheit noch das Streben nach Kostenoptimierungen zu jedem Preis als Erklärungen hingenommen werden können. Die neuen Einkaufs-Maximen heißen Transparenz und Nachweisbarkeit. Sowohl ökologische als auch soziale Kriterien müssen in Kaufentscheidungen mit einbezogen werden. 

Die Vermeidung von unnötigen Plastikmüll findet einen breiten gesellschaftlichen Konsens. Diese Tatsache spiegelt sich auch in den Erfahrungen vieler Gastgeber: Gäste beschweren sich über Plastikhalme und -flaschen und schätzen Gastgeber, die Alternativen erschlossen haben. Laut Eurobarometer denken 94% der Europäer, dass sowohl Industrie als auch Handel zur Vermeidung von Plastik beitragen sollten. Gäste können über ihre Kaufentscheidungen direkt Einfluss darauf nehmen wie ernst Gastgeber sich um Nachhaltigkeit kümmern. Häufen sich negative Kommentare und Beschwerden, so nehmen sich Gastgeber der Aufgabe an und suchen nach Lösungen aus dem ”Bequemlichkeits-Plastik” Dilemma.

Eine Umstellung auf “besseres” Plastik wie Bio-Plastik ist oft nicht ausreichend - erstens sieht es immer noch aus wie Plastik und zweitens verschiebt sich so das (Einweg-)Problem lediglich. Vielmehr geht es um ganzheitliche Lösungen, die den Ressourcenverbrauch minimieren, und Produkte in Kreisläufe einspeisen - beispielsweise durch mehrfache Benutzung wie bei Pfandsystemen. “Abbaubare” Einwegprodukte sind aus zwei Gründen problematisch: Erstens besteht keine entsprechende Kompostier-Infrastruktur in vielen Kommunen, weshalb die Produkte letztendlich trotzdem verbrannt werden. Zweitens werden zur Herstellung der Produkte natürliche Ressourcen gebraucht. Diese können mit Ackerfläche für den Anbau von Lebensmitteln konkurrieren, von intransparenten Quellen bezogen werden oder soziale Konflikte in den entsprechenden Regionen schüren. 

Als unmittelbar mit der Gastzufriedenheit betraute Instanz liegt es in dem Verantwortungsbereich des Gastgebers, seine Lieferketten laufend zu optimieren und an die Forderungen von Gästen und Gesellschaft anzupassen. Wer seinen Einkauf an Einkaufsgesellschaften oder Agenturen outgesourct hat, hat naturgemäß weniger Einfluss auf die Produkte, mit denen seine Gäste oder Mitarbeiter in Berührung kommen. Einkäufer werden aber nur dann ihren Kurs korrigieren, wenn Gastgeber und Vorstände die entscheidenden Impulse setzen und ihren Wunsch nach Plastikalternativen äußern.

Der Wettbewerb um plastikfreie Gastkonzepte verschärft sich und bietet zugleich die Möglichkeit sich abzuheben. Konsequente Nachhaltigkeit und ein besonderes Augenmerk auf das, was Gäste heute schätzen, führen zu einem ausdifferenzierten Angebot mit Anziehungskraft. Gäste werden sich für Gastgeber entscheiden, die sich um ihr Wohlergehen sorgen, ihren Bedürfnissen nach neuen Erfahrungen materieller und nicht-materieller Art nachkommen, ihnen neue Verhaltensweisen vorschlagen, ihre Kreativität anregen und ihren Wunsch nach Zugehörigkeit erfüllen. Wer erst handelt, nachdem gesetzliche Regelungen keine andere Option mehr offen lassen, der verpasst die Chance als authentisch und proaktiv wahrgenommen zu werden. Insbesondere dann, wenn andere bereits Impulse gesetzt haben. 

Die Bedeutung der EU Direktive zur Vermeidung von Einweg-Plastik ist nicht zu unterschätzen. Der Druck ist groß. Gastgeber und ihr Angebot begegnen tagtäglich einer großen Anzahl an Konsumenten. Und diese schauen heute genauer hin. Gastgeber sollten die Zeichen aus Brüssel nutzen und sich mit der Optimierung ihrer Produkte und Prozesse beschäftigen. Wie kann ich Plastik vermeiden? Wo kann ich es erneut nutzen? Was für Alternativen gibt es? Einher mit diesen Fragen geht die Suche nach wirklich guten Gasterlebnissen. Denn die kommen heute auch ohne Einwegplastik aus. 

 

Auf TUTAKAs Marktplatz finden Gastgeber nachhaltige Alternativen zu konventionellen Convenience-Produkten. Ein paar Beispiele:

TUTAKA steht für ein nachhaltiges Gastgebertum. Das junge Unternehmen aus Hamburg verfolgt dabei einen ganzheitlichen Ansatz: Auf einem digitalen Marktplatz finden Hoteliers, Gastronomen und Veranstalter ein breites Sortiment an nachhaltigen und innovativen OS&E, Produkten und Dienstleistern, die Gäste und Mitarbeiter begeistern. In Workshops wird zu den Themen Kommunikation, Produktgestaltung, Zukunftsmärkte und Wertschöpfungsketten beraten. Gastgeber sollen inspiriert und angeleitet werden pro-aktive und individuelle Strategien zu entwickeln, die echte Mehrwerte und Differenzierung bieten.

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In jedem Quadratkilometer der Meere schwimmen hunderttausende Teile Plastikmüll. Auf dem Bild ist eine Installation von Tadashi Kawamata zu sehen. Die Ausstellung mit dem Namen Over Flow wurde vom MAAT Museum Lissabon in Auftrag gegeben, um auf die Verbreitung von Plastikmüll in unseren Ozeanen aufmerksam zu machen. 
(Foto: Martijn Baudoin)

Auf TUTAKAs Marktplatz finden Gastgeber nachhaltige Alternativen zu konventionellen Convenience-Produkten, unter anderem Trinkhalme aus Bambus, Stroh und Glas.