Meinungen & Statements

Was Ehrlichkeit und Nachhaltigkeit mit Gen Z zu tun haben

von Ida Lobkowicz

 

Wen wird meine Generation unterstützen? Für welche Marken werden wir uns entscheiden? Welche Unternehmen und GastgeberInnen werden uns begeistern?

Meine Generation, das ist die sogenannte Gen Z. Dazu zählen, je nachdem wen man fragt, Menschen, die ungefähr zwischen 1996-2010 geboren sind. Bei einem Webinar der Agentur Futerra im März diesen Jahres wurden die Ergebnisse einer Studie zur “Honest Generation” vorgestellt. Als Angehörige der Gen Z waren die Aussagen für mich überraschend und gleichzeitig sehr bestätigend. Zwischen Viral Videos, Influencern, Likes und dem generellen Zeigen-was-man-hat Getrudel, welches uns in den Sozialen Medien auszuzeichnen scheint, kommt folgende Beobachtung: Gen Z haben sehr viel höhere Erwartungen an Produkte und Marken, als die Generationen vor ihr. Gen Z erwartet Ehrlichkeit, Transparenz und Wahrheit von den Marken, die sie in ihr Leben lässt. Durch den Einstieg in die Berufswelt entscheidet diese Generation nun wen sie unterstützt, in der Auswahl als ArbeitnehmerInnen und auch durch die eigene Kaufkraft bei der Wahl ihrer Produkte. Auch für das Gastgewerbe sind diese Feststellungen relevant.

Ich entscheide mich demnach eher für ein Produkt, dass ehrlich mit mir kommuniziert. Wie glaube ich dies zu erkennen? Für mich ist eine Marke dann ehrlich, wenn sie auch ihre unvorteilhaften oder unperfekten Seiten zeigt. Denn wer ist schon perfekt? Wenn ich ganz ehrlich bin, ist Perfektion für mich kein sehr erstrebenswerter Zustand. Warum nicht nach etwas streben was erreichbarer ist und Profil zeigen?

Dies würde für ein Unternehmen bedeuten, sich so hinzustellen, wie es tatsächlich ist. Dieser Schritt ist für viele Marken sicherlich nicht leicht. Denn es bedeutet, die eigenen Schwächen zu identifizieren und dann auch noch zu teilen. Aber ist denn nicht genau das Stärke? Ich denke schon. Mit Ehrlichkeit zeigt man Profil, kann den Diskurs über die eigene Marke aktiv steuern und macht sich weniger angreifbar. Wir erwarten nicht, dass Unternehmen perfekt sind. Wir wollen, dass sie ehrlich sind. Worin also liegt der Unterschied zwischen Transparenz und Ehrlichkeit?

“Bei Transparenz geht es ausschließlich darum, Information verfügbar zu machen - das heißt nur weil Informationen da sind, sie nicht immer für jene zugänglich sind, die nicht wissen wo sie zu finden sind. Bei Ehrlichkeit andererseits geht es darum, proaktiv und verständlich Informationen zu relevanten Themen zu kommunizieren.” (Futerra 2020)

Was hat Ehrlichkeit wiederum mit Nachhaltigkeit zu tun? Nachhaltigkeit ist für mich vor allem ein Prozess. Teil dieses Prozesses ist es, die Begebenheiten so zu sehen wie sie sind, um dann zu überlegen, was verändert werden muss. Nachhaltigkeit kann nicht als halbe Sache angegangen werden, es braucht volles und ehrliches Commitment. Das heißt nicht, dass alles sofort geändert werden muss, sondern, dass ein Transformationsprozess in Gang gebracht wird. Nur durch Ehrlichkeit mit sich selbst und der Umgebung kann dieser Prozess erfolgreich sein.

Ein Beispiel für unehrliche Nachhaltigkeit ist Greenwashing. Mit Greenwashing ist es wie mit der rosaroten Brille des Verliebtseins: das selbst erfundene Bild kann nicht ewig aufrecht erhalten werden und nach einer gewissen Zeit holt einen die Realität ein. Auf den ersten Blick sieht alles ganz fantastisch und perfekt aus, aber der Schein trügt. Ist die rosarote Brille jedoch mal abgenommen, gibt es auch kein zurück. Um selber gar nicht erst in die Gefahr von Greenwashing zu geraten, sollte man von Anfang an mit Realitätssinn statt Illusion auf die Sache schauen und hat damit mehr Aussicht auf langfristigen Erfolg. Das schöne an ehrlicher Nachhaltigkeit ist, dass keine Perfektion gefordert wird, sondern eben ein “sich-auf-den-Weg-machen”.

Was hat das mit Gastgeben zu tun? Was also macht für mich eine/n ehrliche/n Gastgeber/in aus? Was sind die Erwartungen meiner Generation an die Hotellerie, Gastronomie und die Event- und Festivalbranche? Ich glaube, im Zentrum stehen diese beiden Forderungen:

1. Gastgeber*innen sollten sich bewusst darüber sein, welche positiven und negativen Auswirkungen auf Mensch, Lebewesen und die Umwelt sie haben und diese auch verständlich kommunizieren. Dies verlangt einen ehrlichen Blick auf die eigenen Praktiken und Abläufe zu werfen und sich einzugestehen, was geändert werden muss.

2. Gastgeber*innen sollten Nachhaltigkeit ehrlich erlebbar machen und somit uns Gäste inspirieren. Auf den zweiten Punkt kam ich nach mehreren Gesprächen mit meinen Freunden über ihre Erwartungen an Hotels. Zu definieren, was für sie Ehrlichkeit und Nachhaltigkeit bei Hotels und anderen GastgeberInnen bedeuten würde, war schwierig. Das liegt denke ich einerseits daran das meine Generation jetzt erst beginnt selbstständig mit GastgeberInnen in Kontakt zu treten. Andererseits kann man daraus schließen dass die Branche auch (noch) nicht durch ihre Nachhaltigkeitsbemühungen glänzt oder uns damit noch nicht erreicht hat. Der Knotenpunkt liegt hierbei, denke ich, in der Kommunikation. Eine meiner Freundinnen brachte dies sehr gut auf den Punkt: “Ich finde bei Ehrlichkeit geht es viel um Kommunikation und wenn viel kommuniziert wird äußert sich dadurch auch die Ehrlichkeit.”

Mein Gen Z Fazit
Mein Traum von einem perfekten Hotel-, Hostel oder Festivalauftakt sieht ungefähr so aus: Nachhaltigkeit wird gelebt und auf ehrliche Weise an die Gäste kommuniziert. Die Gäste haben die Möglichkeit Nachhaltigkeit zu erleben, da es die Gastgeber*innen es in ihrer Verantwortung sehen so Teil einer nachhaltigen Entwicklung zu werden. Sie involvieren Gäste in ihr Engagement und kreieren Bewusstsein. Sie weisen auf nachhaltige Lebensweisen hin, klären auf und machen ihre Art von ökologischer und sozialer Verantwortung erlebbar. Die Schwachstellen meiner Gastgeber*innen kommen nicht als solche rüber, da sie klar als Teil einer Entwicklung kommuniziert werden. Bei meiner Abreise nehme ich die vielen Eindrücke wahr und habe vielleicht etwas neues für meinen Alltag mitgenommen. Diese Art von Gastgeber*innen werden mich und meine Generation überzeugen. Werdet ihr dabei sein?

Quelle: 
Futerra, April 2020

Zusammenfassung:

  • Ich, Ida, ein der Teil der Gen Z und Praktikantin bei TUTAKA beschreibe meinen Blickwinkel auf die Erwartungshaltung meiner Generation an die Themen Nachhaltigkeit und Ehrlichkeit. 
  • Gen Z erwartet Ehrlichkeit, Transparenz und Wahrheit von den Marken, die sie in ihr Leben lässt. 
  • Für mich ist eine Marke dann ehrlich, wenn sie auch ihre unvorteilhaften oder unperfekten Seiten zeigt. 
  • Mit Ehrlichkeit zeigt man Profil, kann den Diskurs über die eigene Marke aktiv steuern und macht sich weniger angreifbar.
  • Nachhaltigkeit kann nicht als halbe Sache angegangen werden, es braucht volles und ehrliches Commitment. Das heißt nicht, dass alles sofort geändert werden muss, sondern, dass ein Transformationsprozess in Gang gebracht wird.
  • Mit Greenwashing ist es wie mit der rosaroten Brille des Verliebtseins: das selbst erfundene Bild kann nicht ewig aufrecht erhalten werden und nach einer gewissen Zeit holt einen die Realität ein.
  • Das schöne an ehrlicher Nachhaltigkeit ist, dass keine Perfektion gefordert wird, sondern eben ein “sich-auf-den-Weg-machen”.
  • Gastgeber*innen sollten sich ihrer Auswirkungen (auf Menschen, Tiere und die Umwelt) bewusst sein und diese auch verständlich kommunizieren. 
  • Gastgeber*innen sollten Nachhaltigkeit ehrlich erlebbar machen und somit uns Gäste inspirieren.

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"Gastgeber*innen sollten sich bewusst darüber sein, welche positiven und negativen Auswirkungen auf Mensch, Lebewesen und die Umwelt sie haben und diese auch verständlich kommunizieren." Ida vom TUTAKA Team

"Es gibt so viele Möglichkeiten, Nachhaltigkeit transparent an den Gast zu kommunizieren. Woher kommt das Frühstücksei? Wird die Seife recycelt? Achtet man auf Mülltrennung? Das schafft Vertrauen und gibt dem Gast auch einen Anstoß, selbst mehr zu tun." Jana vom TUTAKA Team

"Wenn man jemandem zeigt, wie leicht es ist, das Leben nachhaltiger zu gestalten, löst man Berührungsängste auf und inspiriert." Alexa vom TUTAKA Team